Die Natur als Erfahrungs- und Lernort bietet viele Möglichkeiten
zur ganzheitlichen Förderung und Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit.
- Körper: Nichts fördert die grobmotorischen und feinmotorischen Bewegungsabläufe, das Gleichgewichtssystem und die körperliche Gesundheit mehr als die Bewegung in der freien Natur. Die Kinder können ihren Bewegungsdrang ausleben. Dabei entwickeln sie Geschicklichkeit im Umgang mit dem eigenen Körper und den Naturmaterialien. Die besonderen Bedingungen im Tagesablauf unserer Waldgruppe erfordern von den Kindern differenzierte motorische Fähigkeiten. Koordination, Ausdauer und Kraft sind z.B. beim Klettern und Balancieren, Wandern querfeldein und dem freien Spiel unerlässlich. Dabei werden das Immunsystem und die Gesundheit gestärkt.
- Wahrnehmung: Nirgends werden die Sinne in ihrer Gesamtheit und jeder Sinn im Einzelnen, das Gleichgewicht und das Gespür für das Staunenswerte und Erhabene, mehr angesprochen als in der Natur. Die vier Jahreszeiten mit ihren sehr unterschiedlichen Witterungsbedingungen, der unmittelbare Umgang mit den Elementen der Natur – Feuer, Wasser, Erde, Luft – sowie die Gegenwart von Pflanzen und Tieren ermöglichen den Kindern intensive Sinneserfahrungen. Dies weckt die Neugierde, die Entdeckerlust und Experimentierfreude beim Spiel und im Umgang mit Naturmaterialien. Die Kinder nehmen sich zu jeder Jahreszeit bei allen Witterungen aktiv wahr. Das Feuer im Tipi, unsere Wanderungen zum Bodensee und in die nähere Umgebung Mariabrunns, Pfützenspringen und Matschen mit nassem Waldboden, sind einige Möglichkeiten, die die Natur uns bietet.
- Denken und Sprache: Die Bedingungen in der Natur erlauben einen ungezwungenen Umgang miteinander. Das ermöglicht eine gute Entwicklung des Denkens und der Sprache. Der großzügig bemessene Raum, der geringe Lärmpegel und der Aufforderungscharakter der Naturvielfalt zeichnen die Waldgruppe aus. Eine orientierungsgebende Gesprächskultur ist uns im täglichen Miteinander sehr wichtig. Bei Gesprächen am Lagerfeuer, im gemeinsamen Spiel und beim Musizieren achten wir darauf, dass dazu notwendige Regeln eingehalten werden und jedes Kind mit viel Freude teilnimmt. Die Erfahrungen mit dem Jahreskreislauf und den Naturphänomenen vermitteln dem Kind alles Notwendige, um die Natur achten und schützen zu können.
- Soziales Lernen: In der Waldgruppe sind Regeln und Absprachen unerlässlich. Die Kinder lernen in besondere Weise aufeinander Rücksicht zu nehmen. Der Wald bietet den Kindern ausreichend Raum und Rückzugsgebiete für verschiedenste Interaktionen, in denen Freundschaften entstehen können. Die Bedingungen der Natur geben den Kindern zudem Gelegenheit zu positiven Selbsterfahrungen. Diese schaffen Selbstvertrauen und damit auch Durchsetzungsvermögen.
- Phantasie und Kreativität: Phantasie und Kreativität werden in der Natur in besonderer Weise geweckt. Das nicht Vorgefertigte, regt dazu an, schöpferisch tätig zu werden. "Wild gewachsene Hölzer verwandeln sich zu verführerisch schönen Gebilden oder kreativen Erfindungen. Matsch und Pfützen werden zu Abenteuerlandschaften, welche man erkunden und bereisen kann ...". Das für die Kinder bereitgestellte Handwerkzeug besteht neben Naturmaterialien aus:
- Schaufeln, Eimer, Schubkarren.
- Hammer, Nägel, Schnitzmesser.
- Schere, Klebstoff, Farbstifte.
- Papier, Stoff, Märchenwolle.
- Sinn, Werte, Religion: Das "Wie sollte ich leben ?" kann man am Beispiel der Natur erfassen: Leben und Tod, Werden und Vergehen, Anfang und Ende. In der Pracht des Lebens lässt sich die Nähe zu Gott und seiner Schöpferkraft erahnen und erfahren. Das Wachsen und Welken der Blätter oder Bewundern der Nestvogelbrut und Begraben tot aufgefundener Tiere – bei all dem können die Kinder den Atem Gottes unmittelbar spüren und für die eigene Sinngebung nutzen.
